Monthly Archives: März 2009

Michael Walsh – Casablanca mon amour

Mit seinem Roman „Für immer Casablanca“ schreibt US-Autor Michael Walsh die größte Liebesgeschichte des 20. Jahrhunderts fort. Kann die Geschichte um Rick und Ilsa aus dem Hollywood-Melodram „Casablanca“, Jahrzehnte nach ihrer Entstehung, überzeugend weitergehen? „Wie lange dauert eine große Liebe?“ (Slogan des Schneekluth-Verlags für den Buchstart). Stefan Teplan ging der Frage auf den Grund und sprach mit Michael Walsh auf dessen Feriensitz in Irland.

Wie lange dauert eine große Liebe? Sechs Jahre – bis zum verflixten siebten? 50 Jahre – bis zur goldenen Hochzeit? Ein Leben lang – bis der Tod sie scheidet? Natürlich lebt sie ewig. Warum? Weil sie auch nicht einen Tag nur eine Chance erhält. Die größten Liebesgeschichten sind immer noch die, in denen sich die Verliebten nie kriegen. Geschichten, die ein Happy-End verbieten, weil ihre Endstation Sehnsucht und nicht Erfüllung heißt. Eine große Liebe muss tragisch sein. Unmöglich, dass sie in der Banalität einer alltäglichen Beziehung endet. Oder kann sich jemand vorstellen, dass Julia je von Romeo zur Schnecke gemacht wird, weil sie wieder einmal Marmelade auf den Küchenboden gekleckert hat?

Herz, das wusste schon Shakespeare, reimt sich auf Schmerz. Das wussten auch die Schreiber der größten Love-Story unseres Jahrhunderts, des Evergreen-Melodrams um Rick und Ilsa in dem Leinwandopus, das seit 56 Jahren – trotz Spielberg, trotz Redford, ja Spielberg und Redford zum Trotz – die Hitliste der größten Kinofilme aller Zeiten anführt: Casablanca! Ein Name, der längst für mehr steht als für eine Stadt in Marokko oder einen Film aus Hollywood, ein Begriff, der zu einem Synonym für Sehnsucht und unerfüllte Liebe geworden ist.

Über das Geheimnis seines magischen Charmes wurde schon viel gerätselt. Die plausibelste Lösung kommt von einem, der es wissen muss, schließlich war er dabei: Leonid Kinskey. Kein Begriff? Als Kinskey vielleicht nicht, doch als Sascha kennt ihn jeder: Er spielte den Barkeeper in Casablancas berühmtem „Rick’s Café Americain“ Seine Version des Erfolgsrezepts: Der unwiderstehliche Reiz des Films bestehe darin, dass „Rick und Ilsa genau wissen, dass sie sich am Ende nicht bekommen werden! Schlimmer noch, dass sie sich nie wiedersehen werden!“

Das alles haben wir jahrzehntelang brav geglaubt. Dass eine große Liebe kurz sein muss, um lange zu dauern. Doch Gott sei Dank hat sich Kinskey geirrt. Rick und Ilsa sehen sich wieder! Casablanca geht weiter! Zunächst als Roman, bald aber mit Sicherheit auch als Film. US-Autor Michael Walsh sorgte mit seinem 416-Seiten-Buch „Für immer Casablanca“ (Schneekluth Verlag, 44 Mark) –es erscheint soeben in 15 Ländern mit einer Startauflage von insgesamt einer Million – für die Sensation des Herbstes auf dem Medienmarkt. Walsh ist nicht der erste, der sich an einer Fortsetzung des Traumfabrik-Stoffs versucht hat. Aber er ist der erste, dem dies überzeugend gelungen ist.

Alle Bedenken, einen Mythos zu zerstören, räumt er selbstbewusst aus. „was Kinskey erzählt hat, mag für 1941 (als Casablanca gedreht wurde – Anm. des Autors) gegolten haben“, erzählt er. „Aber jetzt haben wir 1998. Da sieht vieles eben anders aus.“

Wie Wals das scheinbar Unmögliche möglich gemacht hat, erscheint so simpel und klar, dass man sich wundern muss, wieso nicht schon früher jemand darauf gekommen ist. „Ich bin diese Geschichte einfach ganz logisch angegangen. Es ist ja im Film schon so vieles fertig vorgegeben, was man nur konsequent weiter entwickeln muss. Ich musste keine Charaktere mehr erfinden, ich wusste, wer und wie Rick und Ilsa und Viktor Laszlo sind, wie sie aussehen, wie sie handeln, in welche Zeit sie gestellt waren. Also musste ich die Handlung nur in die historische Situation einbetten.“

Die historische Situation bildet den Auftakt zum Buch: „7. Dezember 1941… Krieg! Von der Sahara bis zu den Steppen Zentralasiens steht Europa in Flammen! … Das leidende Europa blickt gen Himmel und hat nur eine Frage auf den Lippen: Kann irgendjemand die Deutschen aufhalten?“

Das liest sich zunächst nicht gerade nach der Fortsetzung der Liebesgeschichte des Jahrhunderts. Aber schließlich ist Casablanca noch etwas mehr als das. „Es ist“, so Walsh, „ebenso ein Thriller mit nicht allzu viel Action, ein Kriegsdrama mit Nazis, Spionen, Transitvisa und all dem.“

Die Fortsetzung hält sich auch darin an die Vorlage: Sie ist faszinierende Love-Story und atemberaubender Polit-Thriller in einem. Ilsas Ehemann Viktor Laszlo ist Als tschechischer Widerstandskämpfer eine der meistgesuchten Männer des Dritten Reichs. Er flieht – Schluss-Szene Casablanca – mit Ilsa nach Lissabon. Von dort – Fortsetzung Walsh – hetzt er weiter nach London , um mit Ilsa einen Auftrag zu erfüllen, der „gefährlicher ist als alles, was ich jemals gemacht habe.“ Er wird einer der Drahtzieher in einem entscheidenden Attentat des Dritten Reichs. Gleichzeitig ist auch Ricks Zeit in Casablanca abgelaufen. Seine Flucht ist allerdings weniger politisch motiviert: Er will, er muss Ilsa nachreisen.

Wo wird er ihr wieder in die Augen sehen.? In Lissabon, in London, in Prag? In Paris, wo ihre große Liebe begann? Die Erleuchtung kam Michael Walsh kurioserweise nicht, während er am heimischen Schreibtisch brütete, sondern – auf einem Parkplatz. „Ich wartete dort vor einem Supermarkt auf meine Frau. Plötzlich hatte ich den Geistesblitz, wusste genau, wer Rick war, warum er nicht in dien USA zurück konnte, und wie es mit ihm weitergehen musste. Wie gesagt, gibt es in dem Film genügend Hinweise auf eine mögliche Fortsetzung. Ich musste das alles nur wie ein Puzzle zusammen setzen. Casablanca spielt am Vorabend des Angriffs der Japaner auf Pearl Harbour. Und es symbolisiert auch den Eintritt der Alliierten in den Zweiten Weltkrieg, dass Rick in meinem Buch in das Kriegsgeschehen verwickelt wird. Er konnte nicht immer in Casablanca sitzen.“

So wie Walsh nicht sein Leben lang in Redaktionsstuben sitzen wollte. Der Journalist – er schreibt seit 1981 für das US-Magazin TIME – fasste vor drei Jahren einen Entschluss: „Ich wollte als Schriftsteller leben. Als ich 45 wurde, dachte ich mir: Wenn du jetzt nicht damit anfängst, wird das nie etwas. Ich schrieb dann meinen ersten Roman, den Spionage-Thriller ‚Exchange Alley‘. „ Der fand zwar beim Publikum nicht allzu große Aufmerksamkeit, dafür aber bei Lektoren des Verlags Warner Books. Das Tochterunternehmen des Filmimperiums Warner Bros. Suchte gerade einen Autor für eine Fortsetzung von Casablanca. Walsh konnte ihnen genau das liefern, was sie wollten.

Warner Books und Warner Bros. Haben schon vor sieben Jahren einen modernen Klassiker recycelt: „Scarlett“, die Fortsetzung des Bestsellers „Vom Winde verweht“., geht auf ihr Konto. Der Film wurde ein Flop, die Kritik nicht müde, über das Sakrileg zu wettern, sich an einem Klassiker zu vergreifen. Packt da Walsh nicht die Angst, es könnte ihm ähnlich gehen? Er bleib t gelassen: „Der Film wurde ein Flop, das Buch ein Verkaufsschlager. Die Autorin Alexandra Ripley verdiente damit fünf Millionen Dollar. Einen solchen ‚Flop‘ würde ich auch gerne landen.“

Die Zeichen stehen auf Erfolg. Während das Geschäft mit dem Buch in den USA relativ bescheiden anläuft, meldet der Schneekluth Verlag, der für die deutschen rechte rund eine Million Mark bezahlte, einen neuen Rekord: Schon vor dem Buchstart (Erstauflage 150.000) gingen 170.000 Vorbestellungen ein. Eine Resonanz, wie man sie selten in der Geschichte des deutschen Buchmarkts erlebt hat – nicht zuletzt danke einer ausgetüftelten Werbekampagne des Verlags, der seit Monaten Appetit auf eine Fortsetzung gemacht hatte, unter anderem mit dem Plakat-Slogan „Wie lange dauert eine große Liebe?“

Schon schreibt Walsh an seinem dritten Roman, über einen berühmten Gangster der Unterwelt-Geschichte. Wie auch immer sie ausgeht, ein Happy-End steht bombensicher fest: die große Liebe zwischen Walsh und seinen Verlegern.

Copyright ©: Stefan Teplan

Erstveröffentlichung: Magazin WELTBILD Nr. 21, 1998

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Paul Anka und die Gretchenfrage

Als Show-Star kennen ihn Millionen. Als Christ nur wenige. Paul Anka „outete“ sich in einem Gespräch mit WELTBILD-Redakteur Stefan Teplan während Filmaufnahmen in Österreich. Dieses Gespräch  wurde erklärtermaßen zum Lieblings-Interview des Welt-Stars. Es war ihm unverkennbar ein Anliegen, über seine innersten Überzeugungen zu sprechen; nur hatte ihm noch keiner die richtigen Fragen gestellt. „Noch kein Journalist hat ein so gutes  Interview mit mir geführt“, bekannte er denn auch nach dem Treffen – das er vor Begeisterung zum Ärger einer ganzen Film-Crew maßlos zeitlich überzog.

Paul Anka mit Stefan Teplan

Paul Anka mit Stefan Teplan. Handschriftliche spontane Anka-Widmung: „To Teplan. It was a great talk. Thank you till next time. Paul Anka“

(Ausriss aus WELTBILD Nr. 10/1996. Das Foto machte S.e.t.)


„Ort des Geschehens: Schloss Prielau bei Zell am See. Domizil des amerikanischen Weltstars und Multimillionärs Paul Anka während zweitägiger Dreharbeiten für eine TV-Show. Fünf Minuten waren für das Interview unseres Kollegen Teplan eingeplant, kurze Fragen, die knappe Antworten hinterlassen. Zweimal kam der Regisseur ins Zimmer, um den Star auf Drehplan und Kamerateam aufmerksam zu machen. Doch das störte den Meister nicht. So wurden aus den fünf Minuten 40; und danach bedankte sich nicht nur Teplan, sondern auch der Interviewte ausdrücklich für das „wundervolle“ Gespräch.“

(WELTBILD-Chefredakteur Peter Goldmann in der Haus-Mitteilung „Aus der Redaktion“, Magazin WELTBILD, Nr. 10/ 1996 (s. folgenden Foto-Ausriss; das Foto machte S.e.t.

***

Stefan Teplan: Unter den Superstars sind Sie fast ein Unikum: Man hat nie etwas von Skandalen, Affären, Drogen oder Allüren bei Ihnen gehört. Was für eine Lebensphilosophie haben Sie?

Paul Anka: Diese Welt ist nicht perfekt. Und man muss sich entscheiden, was man will. Ich habe mich dafür entschieden, dass ich die Menschen, die mir in meinem Leben wichtig sind, behalten will. Ich habe sehr jung im Show-Geschäft angefangen. Ich war 16. Und ich habe ein starkes Verantwortungsgefühl. Wenn ich eine Verpflichtung eingehe, dann halte ich sie auch ein. Das habe ich gelernt. Ich habe viele Werte zu schätzen gelernt in den Jahren, in denen ich in diesem Geschäft bin – als ich begann, steckte der Rock’n’Roll ja noch in seinen Kinderschuhen. Diese Werte geb ich nicht auf. Darin bin ich konsequent.

Stefan Teplan: Von welchen Werten sprechen Sie?

Paul Anka: Es kommt darauf an, richtig zu leben. Das ist in diesem Geschäft sehr schwer. Aber mir war es über alles wichtig, eine Familie zu haben, ihr immer nahe zu sein. Ohne sie wäre vieles von dem, was ich mit meinen Talenten erreicht habe, bedeutungslos. Dafür will ich immer dankbar sein. Denn als ich in Show-Business angefangen habe, hatte ich nichts außer einem Zugticket nach New York und 100 Dollar in der Tasche. Doch ich habe mich vor langer Zeit entschlossen, hart zu arbeiten und erfolgreich in dieser Branche zu sein.

Stefan Teplan: Andere Erfolgreiche heben oft ab und haben selten gut funktionierende Beziehungen. Aber Sie wirken so völlig normal und einfach.

Paul Anka: Ich weiß, es gibt sehr wenige, die so leben. Ob das jetzt Leute im Show-Business oder Banker oder was immer sind. Aber ich kann nur wiederholen: Die Familie hat für mich den höchsten Wert. Absolut.

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Ausschnitt aus Paul-Anka-Interview in WELTBILD Nr. 10 / 1996

Stefan Teplan: Da wir von Werten sprechen: Sind Sie eigentlich religiös?

Paul Anka: Ja; ich glaube an Gott. Und je älter ich werde, umso mehr befasse ich mich damit, will mehr hinter die Dinge sehen, warum ich hier bin und was es außer dieser Welt noch gibt.

Stefan Teplan: Welcher Religion hängen Sie an?

Paul Anka: Ich bin gläubiger Christ. Meine Frau ist römisch-katholisch und wir erziehen unsere Kinder auch römisch-katholisch. Ich habe fünf Töchter. Eine lebt hier in Europa. Sie hat einen Deutsch-Schweizer geheiratet.

Stefan Teplan: Dann hat also der katholische Glaube einen großen Einfluss auf Ihr leben, besonders auf Ihr Familienleben?

Paul Anka: Man muss etwas haben, an das man glauben, worauf man vertrauen kann. Und man muss etwas haben, was seinem Leben ein Gerüst verleiht, das einen Moral und andere Dinge lehrt. Und das tut die Religion. Das kann für den einen hilfreicher und wichtiger sein als für den anderen. Aber ich denke, Religion und Familie gehören zu den wenigen Dingen, die wir haben, wenn wir in den Wirrnissen des Lebens einen Halt haben wollen.

Stefan Teplan: Dann ist es sicher auf Ihre religiöse Haltung zurück zu führen, dass Sie mit Ihrem Nummer-1-Hit „You’re Having A Baby“ gegen Abtreibung Stellung bezogen?

Paul Anka: „You’re Having A Baby” war ein sehr persönliches Lied. Und in diesem Lied überlasse ich der Frau die Wahl. Was Abtreibung betrifft, so glaube ich, dass man die Menschen mehr erziehen muss. Dazu erziehen, ihre Verantwortung überhaupt zu sehen und zu begreifen, was es heißt, ein Kind zur Welt zu bringen.

Stefan Teplan: Empfinden Sie als Idol eine besondere Verantwortung?

Paul Anka: Ich denke schon, dass ich da eine besondere Verantwortung habe. Sänger, Fernseh-, Kinostars erreichen schließlich sehr viele Menschen. Ich mag zwar keine Beschränkungen, ich will meine Meinung frei sagen können. Aber irgendwie müssen wir im Show-Geschäft auch Verantwortung empfinden, weil wir einen großen Einfluss haben. Und ich glaube, wenn man Talente bekommen hat, muss man sich Gedanken machen, was man damit bewirkt. Man kann ja sehr viel Gutes damit erreichen. Und man lebt nun einmal in einer besonderen Stellung. Dessen muss man sich bewusst sein. Wenn man das aus dem Auge verleirt, wie das viele Künstler tun, zerstört man sich selbst. Viele, die Sie und ich heute kennen, haben Probleme bekommen, die letztlich auch ihre Karriere kaputt gemacht haben.

Stefan Teplan: Sie gelten als einer der reichsten Show-Stars überhaupt. Wie gehen Sie als Christ mit Geld um?

Paul Anka: Ich habe andere Begriffe von Reichtum. Mein Reichtum sind die Leute in meinem Leben. Zum Geld: Ich bin sicher, dass jeder im Show-Business sehr viel verdient. Aber das liegt in der Natur dieser Branche. Man wird damit eben sehr leicht reich. Wenn man das ist, muss man damit aber auch richtig leben können. Was mir Probleme bereitet, ist die Tatsache, dass wirklich sehr viele überbezahlt sind und nicht damit umgehen können, dass sie keinen Respekt mehr vor ihren Machern und Managern haben. Ich habe gesehen, wie schlecht sie ihre Fans behandeln. Ich glaube, sie kriegen einfsach zu viel Geld. Aber manche von ihnen haben ja auch kein Problem mit dem Erfolg.

Stefan Teplan: Spenden Sie auch für wohltätige Zwecke?

Paul Anka: Ich tue das seit vielen Jahren. Ich tue viele Dinge, von denen Sie nie lesen. Ich unterstütze Einzelpersonen, Organisationen, ich spende viel. Das gehört für mich dazu, wenn man viel Geld verdient. Ich finde, man muss auch zurückzahlen. Und das habe ich immer getan.

Stefan Teplan: Wie sieht eigentlich Ihr ganz normales Alltagsleben aus?

Paul Anka: Es ist ein anderes Leben als das vieler Menschen – von außen betrachtet. Von innen betrachtet ist es aber nichts anders als das Ihre – was die Hingabe an den Beruf betrifft. Ich mache das schon so lange, dass es mir zur zweiten Natur geworden ist. Ich habe einen sehr vollen Terminkalender. Ich toure mit meinem Team rund 35 Wochen im Jahr rund um die Welt. Ich trete in las Vegas auf, gebe Konzerte in Casinos, in anderen US-Städten, in Asien, in Südamerika. Die letzten Monate hatte ich sehr viel Arbeit mit einem amerikanisch-spanischen Album, in dem ich viele verschiedene Leute zusammengebracht habe, unter anderem die BeeGees, Julio Iglesias und Tom Jones. Es war eine Riesenarbeit, meine Songs für diese Leute zu bearbeiten. Außerdem habe ich gerade einen Film mit Richard Dreyfuss gemacht, der im Herbst in die Kinos kommt. Ich glaube, dass viele Leute gar nicht ahnen, wie viel Arbeit in unserem Geschäft geleistet werden muss und dass nicht alles nur Glamour ist. Die meisten würden wahrscheinlich Todesängste ausstehen, wenn sie selbst einmal auf einer großen Bühne stehen müssten. Wer das aber kann, sollte sein Talent auch dazu nutzen, den Menschen etwas Gutes zu vermitteln. Ein Star zu sein hat für mich auch immer eins bedeutet: mich als Mensch zu präsentieren. So dass die Leute fühlen: An dir ist etwas Echtes dran.

Stefan Teplan: Vielleicht erklärt das ihren Erfolg, sich über vier Jahrzehnte hindurch an der Spitze zu halten.

Paul Anka: Ja, ich denke, es ist wichtig, mit sich selbst ehrlich zu sein. Denn wenn man das nicht ist, wird einem auch sonst niemand glauben. De Leute erkennen sehr wohl, wer echt und professionell ist und wer nicht. Sie wissen, wofür sie ihr Geld ausgeben wollen. Der Wichtigste für den Künstler ist immer der, der ihn im Radio hört, seine Platten kauft, über ihn in der Zeitung liest, der ihn letztlich bezahlt. Ich habe jetzt 39 Jahre lang große Erfolge gehabt und mische immer noch ganz gut mit. Ich empfinde es als große Ehre, dass ich das so lange tun darf. Denn viele, mit denen ich zusammen groß wurde, Elvis Presley und die ganzen Rock’n’Roll-Stars leben nicht mehr oder sind weg vom Fenster, haben sich teilweise selbst zerstört. Aber man hat eine Verantwortung für sein Leben.

Copyright: Stefan Teplan

Erstveröffentlichung im Magazin WELTBILD Nr. 10, 1996