Dennis Hope – der Mann, der den Mond verkauft

Weltbild-Redakteur Stefan Teplan sprach mit Dennis Hope, dem Besitzer des ganzen Sonnensystems


Schon mal jemandem das Blaue vom Himmel versprochen? Der Freundin bei Vollmond ins Ohr gehaucht, ihr die Sterne vom Himmel zu holen? Und jetzt Probleme damit, die leichtfertig gegebenen Versprechen einzulösen? Für solche Fälle gibt es Hoffnung. Die Hoffnung heißt Hope. Dennis Hope. Denn Dennis, 49jähriger Geschäftsmann aus Kalifornien, verkauft das, laut Eigenwerbung, „Romantischste und Symbolhafteste, das man einem Menschen, den man liebt, nur schenken kann“: den Mond. Hope ist rechtmäßiger Besitzer nicht nur des Monds, der um unsere Erde kreist, sondern auch aller weiterer 60 Monde um die übrigen acht Planeten unseres Sonnensystems. Diese Planeten gehören Hope übrigens auch. Und weil Hope ein guter Mann und geschäftstüchtiger Amerikaner ist, lässt er andere an seinem Glück teilhaben. Zu himmlischen Preisen. Lächerliche 16 Dollar verlangt er – in den USA – für sieben Millionen Quadratmeter. Teurer ist’s im deutschen Verrieb „Mondland“: Da kosten 700.00 Quadratmeter 39,90 Mark. Immer noch Ramschpreise, die auch für den Mars, die Venus und den Jupitermond Io gelten. Das All kostet wirklich nicht die Welt. Und Hope kommt bei aller Bescheidenheit immer noch auf seine Kosten. Für den, zugegeben, recht schleppenden Anfang (erst 0,5 Prozent der Mondoberfläche sind verkauft) hat er doch schon eine passable Gewinnspanne erzielt: fünf Millionen Prozent des investierten Kapitals. „So an die 30 Dollar“, erzählt er Weltbild-Redakteur Stefan Teplan, „hat mich das ganze Unternehmen gekostet – mehr oder weniger Portogebühren. Verdient habe ich bisher damit 1,5 Millionen Dollar.“ Das Geschäft blüht; sechs festangestellte Mitarbeiter verkaufen für ihn außerirdische Besitztümer, Hope hat sich inzwischen noch eine Flugzeugverkaufsfirma und ein Chemieunternehmen auf der Erde zugelegt.

Vor seinen zunehmenden Mondeinnahmen freilich hatte der größte Grundstücksbesitzer auf Erden eher Grund zum Heulen: „Vor 19 Jahren ließ ich mich scheiden und hatte so gut wie kein Geld. Ich dachte: Wenn ich viel Grundbesitz hätte, könnte ich von der Bank Geld bekommen.“ Der Mond brachte die Erleuchtung um zwei Uhr nachts. „Ich war spät unterwegs und sah aus dem Autofenster auf den Mond. Und da dachte ich mir: Das ist echt viel Grundbesitz.“

Viel Land, kein Eigentümer? Grund genug, das zu ändern. Hope erinnerte sich an ein altes amerikanisches Gesetz, den Homestead Act von 1862. Es regelt die Inbesitznahme von Land, das offensichtlich niemandem gehört. Solches Land, besagt das Gesetz, fällt dem zu, der als erster Ansprüche anmeldet – wenn nicht nach einer Widerspruchsfrist von acht Jahren jemand Einspruch erhebt. Da musste Hope nicht viel fürchten. Zumindest irdische Vorbesitzer waren ausgeschlossen. Nach Ablauf der achtjährigen Frist konnte ihm auch keiner mehr seine Monde und Planeten streitig machen. Dass nochmal acht Jahre später der Deutsche Martin Jürgens behauptete, König Friedrich der Große habe seinen Urahnen bereits den Mond geschenkt, verdross Hope nicht: Er begann zu verkaufen.

Die Weltraum-Nationen würden ihn möglicherweise am liebsten auf den Mond schießen, aber sie wissen nicht, was sie tun können gegen Hope. Der bewies, dass er nicht hinter dem Mond lebt, um vom Mond zu leben. Hope nutzte nicht nur den Homestead Act, sondern zudem eine juristische Lücke. In einem gemeinsam verabschiedeten Weltraumabkommen, dem „Outer Space Treaty“ von 1967, legten die USA, die damalige Sowjet-Union und eine Reihe weiterer Staaten fest, dass kein Land Territorialansprüche außerhalb der Erde geltend machen dürfe. „Von Privatpersonen aber“, lacht sich Hope ins Fäustchen, „ist nicht die Rede.“ Entnervt muss ihm Walter Thiebaut, Anwalt für Weltraumrecht bei der Europäischen Weltraumbehörde Esa in Paris, Recht geben: „Es gibt keinen Weg, Mr. Hope zu verbieten, was er tut.“

Statt zu verbieten, müssen die Weltraumstaaten noch kostenlos für Hope arbeiten. „Ich bin froh, dass sie ihr Geld ausgeben und ihre Technologien nutzen, um mein Sonnensystem zu erforschen. Das macht es mir auch möglich, die Landkarten zu kriegen, die ich brauche.“ Für so viel Einsatz revanchiert sich Hope: Großzügig verlangt der Mondmann vorerst keine Landerechte und Mieten für Forschungen auf seinen Gestirnen. 1500 miteinander verbundene Grundstücke hat er sogar für wissenschaftliche Zwecke gespendet. Und kalkuliert mit der Gegenleistung: „In zehn bis 15 Jahren sollte man so weit sein, Mondstationen aufzubauen und Mondreisen durchführen zu können. Für den Mars dauert es noch etwas länger. Doch existieren bereits 25 Weltraumreise-Veranstalter.

Schon verkauft Hope – in gehobenerer Preisklasse – Stadtgrundstücke (4.500 Dollar), ja sogar ganze Staaten (42.500 Dollar) auf dem Mond. Einen davon wollen die „Mondianer“, eine Stammtischrunde von Münchner Mond-Grundstücksbesitzern, besiedeln. Helmut Kohl, so ihr Wunsch, soll Mondkanzler werden. Dort oben kann er leben wie der Sonnenkönig, wenn schon sein Stern auf der Erde im Sinken ist. Eine Besitzurkunde mit genauer Angabe seines künftigen Regierungssitzes wurde dem Alt-Bundeskanzler bereits zugeschickt. Geäußert hat sich der Wunschkandidat noch nicht. Mit politischen Perspektiven ist er kaum zu locken. Aber vielleicht reizt ihn ja das Gefühl der Schwerelosigkeit bei Dienstflügen oder das Erlebnis von fünf Sechstel Gewichtsverlust in der Mondsphäre.

Copyright: Stefan Teplan

Erstveröffentlichung in Weltbild Nr. 13, 1999

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Kommentare

  • Elisabeth Steffen  On Oktober 5, 2009 at 5:57 pm

    Stefan Teplan, kennst du das Buch „Erde und Mond“, gegeben Jakob Lorber (1800 – 1864). Es ist wohl eher Unrecht, es hier in diesem albernen aberwitzigen Zusammenhang zu erwähnen. Vor allem ist es nicht das Richtige als Einstieg in die Gaben, die Jakob Lorber ab 1840 erhielt, durch innere Stimme, und die so gewaltig sind wie sanftmütig und weise.

    Sie kennen den Schreibknecht Lorber nicht? – Wundert mich gar nicht, wenn es so sein sollte. Es hat seine traurigen Gründe. Verlassen Sie sich in dieser geistigen Materie auch nicht auf Dritte, auch nicht auf Wikipedia. Dort finden sich Zitate aus dem Kontext gerissen. Die im Kontext sehr wohl Nachvollziehbares bringen. Eine Definition von Keuschheit wird diffamiert. Dabei sagt der, dem Jakob da Knecht ist, daß eine bestimmte Tat nicht Akt gegen die Keuschheit, dagegen sehr wohl gegen die Nächstenliebe ist. Letzteres wurde in Wikipedia unterschlagen.

    Jetzt hat man entdeckt, daß auf dem Mond Wasser ist. Jakob Lorber bekam schon vor über 100 Jahren mitgeteilt, daß dort Leben ist. Die Menschen sind fußhoch und leben sehr karg in unterirdischen Höhlen. Sie bauen so etwas wie Möhren an. Der Mann schleppt tagaus tagein die Frau auf seinen Schultern. Das zeichnete ich mir in meinem Buch an den Rand. Es hat alles seine Bewandtnis. Natürlich ist die Mondfähre nicht in so ein Höhlenloch gefallen. Wie konnte es passieren, daß eine Fähre landet und man nichts vom Vorkommen von Wasser nachweisen konnte bis nun erst!

    Wenn die Münchner Besitzer-Stammtischrunde so karg geworden ist wie die Mondbewohner, wird sie vielleicht eines Tages willkommen sein! Das will sagen: Sie wird niemals …

    Lassen Sie sich nicht verschrecken von den uns doch recht fremd anmutenden Mondmenschen. Beginnen Sie aber besser da, wo Jakob Lorber beginnen mußte, bei dem ersten ihm diktierten Text. Das ist „Haushaltung Gottes“ Band 1 von 3 Bänden. Ich las in youtube einige Kapitel daraus vor. Geben sie in das seiteninterne Suchfeld „Haushaltung Gottes“ ein, bitte, nur, wenn sie diesen lieb haben! (Das seiteninterne Suchfeld befindet sich im Feld der von mir upgeloadeten Videos – das globale Suchfeld ist dagegen oben am Seitenanfang!)

    Herzlich
    Elisabeth Steffen,
    im Lieben gestärkt werdend durch diese Gaben an J. L.

  • Stefan Teplan  On November 30, 2009 at 5:09 am

    Ich kenne Jakob Lorber recht gut. Es ist allerdings lange her, dass ich seine Bücher gelesen habe, das war 1983 und 1984 – ein Vierteljahrhundert ist vergangen und wow, ich lebe immer noch:-)
    Mich hat bei der Lektüre allerdings einiges sehr skeptisch gestimmt. Nur ein Beispiel, da im Beitrag vom Mond die Rede ist: In seinem „Jakobus-Evangelium“ lässt Lorber Jesus angeblich sagen (ich suche das korrekte Zitat gerne mal raus), nur die Vorderseite des Mondes wäre eine kahle Gesteinswüste; auf der anderen Seite würden auch Wiesen blühen, Bäume wachsen und Lebewesen existieren wie auf der Erde. Das deckt sich ja nicht gerade mit unseren wissenschaftlichen Erkenntnissen.

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