Deutsche: Ein Volk ohne Zivilcourage?

Stefan Teplan sprach mit der ARD-Korrespondentin Gabriele Krone-Schmalz über ihr Buch „Jetzt mal ehrlich“. Die Deutschen bezeichnet sie als „Weltmeister im Kritiseren und Bevormunden ganzer Weltreligionen“ – ein Thema, das zu Zeiten von Sarrazin und der Integrationsdebatte neue Aktualität gewinnt.

(Erstveröffentlichung Magazin WELTBILD Nr. 11/ 1996)

Buchcover

Nach fünf Büchern über Russland jetzt ein "offenes Wort über Deutschland": Unter dem Titel "Jetzt mal ehrlich" (ECON Verlag, 240 Seiten) prangert die ARD-Korrespondentin Gabriele Krone-Schmalz Misstände in Deutschland an.

Stefan Teplan: Sind die Deutschen ein Volk von angepassten Jasagern, Duckmäusern und Verdrängern?

Gabriele Krone-Schmalz: Zivilcourage kann man jedenfalls mit der Lupe suchen, obwohl doch gerade die westdeutschen diese mit Vorliebe von den Bürgern der ehemaligen DDR forder; ohne offenbar ein Gespür dafür zu entwickeln, dass sie selbst nicht einmal in einem Rechtsstaat dazu in er Lage sind, in dem sie damit kaum etwas riskieren. Bloß nicht unangenehm auffallen, „in“ und „political correct“ sein, mit dem Strom schwimmen. Die Angst, wegen irgendwelcher offener Worte in der falschen Schublade landen zu können, scheint mir bei Deutschen nahezu pathologisch.

Stefan Teplan: Im Klappentext zu Ihrem neuen Buch heißt es, die Deutschen seien „Weltmeister im Kritisieren“. Bestätigen Sie mit Ihren Texten nicht genau das, was Sie attackieren?

Gabriele Krone-Schmalz: Nein, überhaupt nicht. Im Klappentext heißt es nämlich: „Weltmeister im Kritisieren und Bevormunden ganzer Weltreligionen“, und ich kritisiere als Deutsche uns, die Deutschen.

Stefan Teplan: Wer meckert, muss auch Gegenrezepte bieten können. Haben Sie welche?

Gabriele Krone-Schmalz: Patentrezepte nicht – wer hat die schon? Aber rezepttaugliche Anregungen finden Sie sehr wohl in meinem Buch, zum Beispiel zu den Themen Gesundheits- und Steuersystem. Ansonsten bin ich nicht Ihrer Meinung. Mir ist auch klar, dass es leichter ist „herumzumeckern“ als dinge funktionsfähig zu verändern. Aber wenn Sie jedem das Kritisieren und Meckern verbieten wollen, der keine fertigen Gegenrezepte parat hat, dann führt das zu einer stagnierenden Gesellschaft, in der die Jasager und Duckmäuser die Oberhand gewinnen. Das ist ein Teufelskreis.

Stefan Teplan: Was würden Sie am liebsten in Deutschland verändern?

Gabriele Krone-Schmalz: Das Wetter. Nein, im Ernst: aus einer harten Entweder-Oder-Gesellschaft eine menschliche Sowohl-als-auch-Gesellschaft machen. Leben und leben lassen.

Stefan Teplan: Was würden Sie unverändert lassen?

Gabriele Krone-Schmalz: Im Wesentlichen das Grundgesetz.

© Stefan Teplan Media

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