Tag Archives: Medien

Christopher Lee – der Dracula als Pharao

Bei der Weltpremiere des Bibelfilms „Josef“ – Teil der Mammut-Verfilmung des gesamten Alten Testaments durch die Kirch-Gruppe – sprach Stefan Teplan mit Hollywood-Star Christopher Lee, der in einem anderen Bibelfilm („Moses“) mitspielt.

Christopher Lee mit Stefan Teplan beim Interview. Foto: Marian Günther

Christopher Lee im Gespräch mit Stefan Teplan. Foto: Marian Günther


Stefan Teplan: Was hat Sie bewogen, in einem Bibelfilm mitzuspielen?

Christopher Lee: Ich würde mich nicht als sonderlich religiös bezeichnen; mich fasziniert vor alle der historische Stoff. Ich spiele in „Moses“ den Pharao Ramses II. – eine faszinierende Gestalt. Er war der berühmteste Pharao, herrschte 67 Jahre lang über Ägypten und wurde 92 Jahre alt. Fasziniert hat mich aber auch, dass die ganze Bibel überhaupt ein großer Stoff ist. Und sie ist ein Buch, das fast jeder kennt, ob Jude, Christ oder Moslem. Bevor ich ein Angebot annehme, frage ich mich: Wie ist die Rolle? Wie ist das Drehbuch? Wie ist der Regisseur? Bei „Moses“ hat das für mich alles gestimmt.

Stefan Teplan: Was halten Sie von den anderen Bibelfilmen der Kirch-Gruppe, etwa „Josef“, den Sie heute gesehen haben?

Christopher Lee: Ich finde sehr beeindruckend, was bisher produziert wurde. Ich sehe höchstens ein Problem: Die großen Massenszenen sind eigentlich typische Kinoszenen, die eine große Leinwand erfordern. Im Fernsehen werden die Menschen dann klein wie Ameisen –ähnlich, wie wenn „Lawrence von Arabien“ im Fernsehen sehen. Aber die Qualität der Filme ist hoch. Es wären im Grunde alles sehr gute Kinofilme, wenn sie nicht so lang wären (jeder der Bibelfilme dauert rund drei Stunden – Anm. d. Red.). Von den Dreharbeiten zu Moses war ich so angetan, dass ich jederzeit wieder in eine der Kirch-Bibelfilme mitspielen würde.

Stefan Teplan: Regt es Sie eigentlich nicht auf, dass Sie so oft mit Ihren „Dracula“-Filmen identifiziert werden?

Christopher Lee: Ach, wissen Sie, ich finde, dass das mehr eine Erfindung der Journalisten ist. Das Publikum sieht das anders. Das ist ja, als würde man Sean Connery nur mit James Bond oder Peter Sellers nur mit Inspektor Clouseau identifizieren. Ich habe in rund 250 Filmen gespielt, mit den größten Regisseuren gearbeitet, darunter Steven Spielberg, Orson Welles und Billy Wilder. Und ich kann deswegen nicht glauben, dass die Kinogänger mich nur als Dracula sehen.

Copyright Text: Stefan Teplan

Copyright Foto: Marian Günther

Erstveröffentlichung im Magazin WELTBILD Nr. 10, 1996

Advertisements