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Carmen Rohrbach – Eine Frau für jedes Abenteuer

Carmen Rohrbach kennt die  halbe Welt. Doch sie ist nie als Touristin unterwegs. Viele Länder durchquert sie zu Fuß und ganz allein. Und immer ist sie auf der Suche nach Herausforderungen. Stefan Teplan, selbst begeisterter Abenteurer und Trekking-Reisender, besuchte die Globetrotterin bei einem ihrer raren Aufenthalte in ihrer Wohnung im bayerischen Hofstetten – dort wo sie ausnahmsweise mal nicht unter freiem Himmel nächtigt.

(Erstveröffentlichung: Magazin WELTBILD Nr. 15/2000)

Mit 15 Jahren büxte sie eines Abends aus. Als Carmen Rohrbach erst zum Frühstück wieder zu Hause auftauchte, hatten ihre Eltern bereits wildeste Spekulationen angestellt, wo das pubertäre Gör wohl die Nacht verbracht haben könnte. Die Beichte des Mädchens trug auch nicht gerade zur Beruhigung der Eltern bei, eher fühlten sie sich auf den Arm genommen. „Ich habe“, bekannte Carmen, „allein im Wald geschlafen.“

So unglaubwürdig es für Mutter und Vater Rohrbach auch klingen musste – die 15-Jährige hatte tatsächlich keine heiße Nacht mit einem ersten Liebhaber verbracht, sondern allein im Dickicht einem kalten Morgen entgegengefröstelt, an dem der Tag feucht durch die Kleidung drang. Carmen selbst freilich fand das ganz heiß.

Abgekühlt hat sie sich immer noch nicht. 35 Jahre sind seit ihrem ersten Abenteuer vergangen, doch mit 50 wie mit 15 zieht Carmen ein Bett im Kornfeld, im Wüstensand oder auf Felsgestein jeder Luxusliege vor und ist in der Natur lieber mutterseelenallein als „selbst mit dem nettesten sympathischsten Menschen“ zusammen. Bis heute hat sie mehr freie Nächte unter freiem Himmel verbracht als in den vier Wänden einer Wohnung oder eines Hotels.

Der erste nächtliche Ausflug zu Jugendzeiten war der Auftakt zu einem Leben, bei dem ungewöhnliche Abenteuer die Regel und gewöhnlicher Alltag die Ausnahme sind. Zu Fuß und, in den meisten Fällen, allein durchquerte Carmen Rohrbach mittlerweile die halbe Welt. Von den Anden bis Zimbabwe, von den Philippinen bis Feuerland, von den Tiefen des Atlantik bis zu den Gipfeln des Himalaya und des Kilimandscharo – wo immer das Abenteuer lockt, ist Carmen Rohrbach nicht mehr zu halten.

Zu halten war sie noch nie, obwohl (oder weil?) sie in einem Staat aufwuchs, der genau dies versuchte und die denkbar ungünstigsten Bedingungen für ihren Freiheitsdrang bot: in der ehemaligen DDR. „Ich musste da raus. Denn seit meinem elften Lebensjahr war ich wie elektrisiert. Damals war dieser Film im Kino unserer Kleinstadt gelaufen; schwarze Reptilien, weißgischtige Brandungswellen, eine bizarre Lavaküste, rot glühende Vulkane: Galapagos. Mir war, als würde ich dorthin gerufen. Auf so etwas wie die Wiedervereinigung konnte ich nicht warten“, erzählt sie mir in ihrer Wohnung im bayerischen Hofstetten bei Landsberg, dem Ruhepunkt zwischen den 1000 Welten, in denen sie sich bewegt. „Nachdem alle Versuche, auf normalem Weg von der DDR aus exotische Länder und Völker kennen zu lernen, scheiterten, gab es für mich nur mehr eine Lösung: die Flucht.“

Ausriss aus dem Original-Artikel im Magazin WELTBILD, Nr. 15/2000.

Vorher hatte sie durchaus nach anderen Möglichkeiten gesucht. Carmen Rohrbach studierte Biologie und hoffte, im „sozialistischen Bruderland“ Kuba einen Forschungsauftrag zu bekommen. Als es weder damit klappte noch später mit einem Projekt-Auftrag für die Mongolei, für den sie sich ebenso beworben hatte, machte die inzwischen 25-Jährige, was sie schon mit 15 gemacht hatte: Sie büxte aus.

Diesmal nicht nur für eine Nacht. 36 Stunden schwamm sie sich in der Ostsee von Rostock aus in Richtung Schweden frei. Eine sportliche Rekordleistung. Die Hoheitsgewässer der DDR hatte sie bereits verlassen, als sie, am Ende ihrer Kräfte, von einem Schiff aufgelesen wurde. Unglücklicherweise war es ein ostdeutsches. Die Frau, die alle Grenzen der Erde überschreiten wollte, scheiterte an der ersten, der eigenen Landesgrenze: Carmen Rohrbach kam in der DDR ins Gefängnis. Zwei Jahre später durfte sie dann doch die Grenzen übertreten, diesmal ganz legal: Sie wurde von der Bundesrepublik freigekauft. Ihre erste Anlaufstation in der freien Welt war das bayerische Seewiesen. Noch nicht gerade die Galapagos-Inseln. Aber immerhin das Tor dazu. „In Seewiesen sitzt das Max-Planck-Institut für Verhaltensforschung. Dort durfte ich zunächst meine Studien fortsetzen – und dann meinen Lebenstraum wahrmachen: Ich konnte für ein Jahr Forschungen auf Galapagos anstellen, der Inselwelt, für die mein Herz entbrannt war, seit ich als Elfjährige diesen Film darüber gesehen hatte. Mehrere Monate lang lebte ich wie Robinson Crusoe ganz allein auf einer Insel, zeitweise wurden mir Assistenten für die Beobachtung der Meerechsen zugeteilt. Einsam gefühlt habe ich mich dabei nie. In der Natur fühle ich mich nie allein. Eigentlich stört mich dort jeder andere Mensch.“

Das hat nichts mit Menschenhass zu tun. Carmen Rohrbach möchte vielmehr Natur  ganz pur erleben, staunen über unberührte Landschaften, Tier- und Pflanzenwelten. „Schon der Kommentar eines Mitreisenden, selbst wenn er durchaus qualifiziert ist, würde mich da stören. Nur wenn ich alleine bin, kann ich in die Natur richtig eintauchen, mich ihr ausgesetzt fühlen.“ Außerdem, so die Abenteuerin, sei ihre Art zu reisen so schnell niemandem zuzumuten. Wer könne schon über Monate in abgelegenster Wildnis das Zusammensein mit einer Frau ertragen, die Gefahren und Mühsalen nicht aus dem Weg geht,  sondern sie geradezu sucht? Carmen Rohrbach ist dafür allerdings auch bestens „ausgerüstet“: Sie kann tauchen, jagen, bergsteigen, felsklettern und hat Überlebenstrainings gemacht. „Beschwerlichkeit und Ungewissheit“, gibt sie zu, „genieße ich regelrecht. Alles, was andere bei einer Reise negativ empfinden, verschafft mir Wohlbehagen. Auch darum kann ich niemanden mitnehmen. Dann kann es auch kein Gemeckere geben. Es fällt mir zum Beispiel nicht schwer, das Essen auf ein absolutes Minimum zu reduzieren, wenn die Vorräte knapp werden. Anderen schon. Allein kann ich es eben besser.“ Das weiß Carmen spätestens seit 1978. Damals nämlich zog sie allein fünf Wochen lang durch die Highlands von Schottland, bewusst sparsam ausgerüstet. Die Schottlandreise sieht sie für sich als den Durchbruch, denn danach war ihr endgültig klar: „Ich komme mit primitivster Ausrüstung, wenig Nahrungsvorräten und mit der Einsamkeit bestens zurecht.“

Dennoch besteht Carmen Rohrbachs Reisegesellschaft nicht nur aus Seelöwen – wie auf Galapagos, als die zahm gewordenen Meerestiere sich mit ihr den Platz unter der Sonnenplane teilten – oder Wesen wie Al Wasim, dem Dromedar, mit dem sie durch das zerklüftete Bergland Jemens zog. Sie interessiert sich unterwegs durchaus auch für Menschen. Naturvölkern bringt sie das gleiche Forscherinteresse entgegen wie der Flora und Fauna. Wenn die Biologin bei solchen Begegnungen zur Anthropologin wird, nimmt sie die Gewohnheiten und den Rhythmus der ursprünglich lebenden Menschen an, so wie sich dem Rhythmus und den Bedingungen der Natur fügt. Als sie auf einer Insel im Südpazifik vor Eingeborenen gewarnt wurde, die noch bis vor kurzem als Kopfjäger galten, reizte sie das erst recht. Sie suchte die „Wilden“ und lebte mit ihnen wochenlang zusammen, als würde sie seit Jahren zum Stamm gehören. „Mit den barfuß durch den Dschungel laufenden Männern ging ich auf die Jagd, mit den Frauen verrichtete ich schwere Feldarbeit.“

Nach so viel Exotik machte sie sich vor einiger Zeit auf eine Safari in ihrer Heimat: Sie wanderte entlang der Isar von der Quelle bis zur Mündung, schlief dabei selbstverständlich im Freien und lebte auch sonst wie in der Wildnis.

Kennt Carmen Rohrbach überhaupt Angst? „Angst ja, Panik nein. Aber ich habe, so unglaublich es klingt, trotz meiner vielen Reisen noch nie richtig Angst machende, negative Situationen erlebt.“ Einmal, ja, in den Anden, da war etwas. In einem Eukalyptuswald in Ecuador stürmten plötzlich zwei maskierte Männer mit langen Messern auf sie zu. Geistesgegenwärtig tut Carmen Rohrbach so, als wären Freunde von ihr nicht weit. „Alfredo, Ricardo, ayudame – helft mir!“, schreit sie laut. Einer der Männer entreißt ihr schnell die Fototasche und verschwindet mit seinem Komplizen im Wald. „Das war ärgerlich. Aber es hätte schlimmer kommen können“, meint Carmen lakonisch. Abgeschreckt hat sie dieses Erlebnis nicht. Doch was sie immer wieder antreibt, kann sie selbst nicht genau sagen: „Ich kann mich in diese Vorstellungen von anderen Leuten hier schlecht hineinversetzen, weil ich nie wie sie gelebt habe. So lange allein zu sein, der Natur ausgesetzt zu sein, mag für andere Menschen beängstigend wirken, für mich ist es normal. Ich weiß nur, dass diese abenteuerliche Veranlagung schon als Kind in mir gesteckt hat und ich mir nie ein anderes Leben hätte vorstellen können. Wenn ich nicht aus der DDR rausgekommen wäre, hätte ich das nicht überlebt. Deswegen konnte ich ruhig auch mein Leben riskieren, um die Flucht zu wagen. Ich dachte mir: Entweder stirbst du – oder du gewinnst ein neues Leben.“

Das Leben, das sie gewonnen hat, lässt vielleicht viele neidisch werden, die tagaus, tagein hinter Bürowänden ihren allenfalls 30 Urlaubstagen entgegenarbeiten. Allerdings hat auch der Lebensstil Carmen Rohrbachs einen Preis, den nicht jeder zahlen würde. „UM meine Träume leben zu können, habe ich es von Anfang an in Kauf genommen, auf das zu verzichten, was für viele Menschen oberstes Lebensziel ist: finanzielle Sicherheit und eine Familie. Dazu war und bin ich bereit und habe es noch nie auch nur eine Sekunde bereut. Unterwegs auf meinem Lebensweg möchte ich Menschen begegnen, aber ich kann niemandem folgen und will keinem erlauben, mir zu folgen. Auf meinen Reisen komme ich immer mehr auch mir selbst auf die Spur. Entdecke meine tiefe Geborgenheit im Leben, jenseits von Versicherungen und so genannten finanziellen Sicherheiten. Das ist wirkliche Freiheit.“

Ein paar Monate im Jahr muss freilich auch die Frau, die das Abenteuer in der Ferne sucht, zu Hause arbeiten. Jede neue Tour nämlich finanziert sie mit der vorhergehenden. Dann sitzt sie in ihrem Arbeitszimmer in Hofstetten, um Reisebücher und Reportagen zu schreiben. Außerdem präsentiert sie öffentlich ihre Dias und Filme und hält Vorträge, zuletzt über ihre Jemen-Reise, bei der sie auf Karawanenwegen das Reich der Königin von Saba durchquerte. Wenn Carmen zu Hause wohnt und arbeitet, wird ihr bewusst, dass sie sich „als Grenzgängerin in beiden Welten“ eigentlich ganz wohl fühlt. „Ich mag den Kontrast, genieße die vielen Vorteile wie etwa den Luxus, plötzlich warmes Wasser zu haben, aus Büchern und Zeitschriften unheimlich viele Informationen zu bekommen, beim Kochen nicht erst umständlich Holz zu sammeln und ein Feuer entzünden zu müssen.“

Länger als ein paar Monate hält die Freude an solchem Luxus allerdings nie an: „Trotz allem nicht. Mir fällt es einfach leichter wegzufahren als wieder anzukommen.“

© Stefan Teplan

Mythos Indianer

Von Stefan Teplan

(Erstveröffentlichung als Titelgeschichte des Magazins WELTBILD Nr. 26, 1996)


Cover des Magazins Weltbild Nr. 26, 1996

Mit ihrer jüngsten Weissagung scheinen die Zeugen Jehovas, die bei der Berechnung des Weltuntergangs schon öfters ein unglückliches Händchen bewiesen, endlich einmal ins Schwarze zu treffen: Die Indianer, orakelte die Sekte im September in ihrem Blatt „Erwachet“, „werden wiederkommen.“ Drei Monate später sind sie da – wenn auch nicht im neuen, von den Zeugen Jehovas erwarteten irdischen Paradies, so doch in den Schaufenstern und Katalogen von Buch- und Musikgeschäften, in Kinos und Videotheken, in Mode- und Schmuckläden. Vom Armreif bis zum Zauberamulett – das Geschäft mit den Rothäuten sorgt allerorten für schwarze Zahlen.

Walt Disney vermarktete die Geschichte der Indianerprinzessin „Pocahontas“. Nach dem Kinoerfolg gehen in den Kaufhäusern Pocahontas-Tassen und -T-Shirts weg wie warme Semmeln. Hollywoodstar Kevin Costner, der vor Jahren mit dem Vierstunden-Leinwandepos „Der mit dem Wolf tanzt“ Verständnis für Indianer weckte, präsentiert jetzt in einer Filmreihe „500 Nations – Die Geschichte der Indianer“. Der Titel – nach dem Buch von Alwin M. Josephy – ist Hinweis auf einen der größten Völkermorde der Geschichte: 500 Nationen lebten auf dem amerikanischen Kontinent, bevor „zivilisierte“ Europäer ihr Land stahlen und ihr Leben zerstörten.

Jetzt sehnen sich die Zivilisierten nach dem ursprünglichen Leben zurück, das niemand besser verkörpert als die Indianer. Und diese Sehnsucht schwingt mit in jedem Stück Federschmuck oder Amulett, das gekauft wird. „Der Indianertrend“, urteilt Plattenmanager Peter Gerasch, „hat damit zu tun, dass wir in unserer Gesellschaft, im Werteverfall mehr und mehr unsere eigenen Wurzeln oder überhaupt die Wurzeln der ganzen Menschheit suchen.“ Zum gleichen Ergebnis kommt Ellen Daniel-John, wenn sie erklärt, wieso in ihrem Laden „Silbereck“ im Münchner Stachus-Einkaufszentrum Indianerkleidung, -schmuck und -accessoires die Renner der Saison sind: „Die Leute leben heute sehr oberflächlich und wollen sich damit das Echte und Ursprüngliche wieder holen.“

Daniel-John, die Wert darauf legt, nur Originalschmuck und keinen Kitsch zu verkaufen, will demnächst mit Veranstaltungen indianische Kultur den Menschen näherbringen. Sie wird auf einem Bauernhof in Oberbayern eine Indianergruppe auftreten lassen, die auch in einer Westernstadt bei Nürnberg ihre Musik und Tänze vorführte.

Indes holt ZDF-Unterhaltungschef Claus Beling Indianerlegende Winnetou aus den ewigen Jagdgründen zurück. Für einen neuen Zweiteiler steht Pierre Brice vor der Kamera wieder in der Rolle, die ihm vor drei Jahrzehnten Weltruhm einbrachte: als Apachen-Häuptling Winnetou. Das, glaubt Beling, „wird das TV-Ereignis des Jahres.“ Daran hat auch Brice keine Zweifel. Weil es bei der Indianer-Story um „wahre Werte und Botschaften“ gehe.

Indianische Werte und Spiritualität empfiehlt sogar die Zeitschrift „natur“ in ihrer aktuellen Ausgabe – gegen die Umweltzerstörung. Soviel ist klar: Wir stressgeplagten Bleichgesichter müssen von den Indianern lernen, was es heißt zu leben, nicht sie von uns. So wie Manager Gerasch sich an neue Rhythmen gewöhnen muss, wenn er mit seinem Shooting-Star Jerry Alfred (siehe Interview weiter unten) in Kanada Termine absprechen will. „Ich versuche seit 14 Tagen, dich zu erreichen, Jerry“, klagte er kürzlich am Telefon. „Wo hast du gesteckt?“ Jerry: „Ich war zwei Wochen im Busch. Elche jagen.“

© Stefan Teplan Media

Interview:

„Immer eins mit der Natur“

Stefan Teplan sprach mit dem Indianer Jerry Alfred vom Stamm der Tutchone in Yukon (Kanada), der in der Welt der Bleichgesichter jetzt als Musiker Furore macht

Interview mit Jerry Alfred - Ausriss aus Weltbild Nr. 22, 1996

Interview mit Jerry Alfred - Ausriss aus Weltbild Nr. 22, 1996

Stefan Teplan: Sie wurden 1996 mit Ihrer ersten CD schlagartig populär. Überrascht?

Jerry Alfred: Sicher. Ich habe bisher nur für meinen Stamm Musik gemacht wie schon mein Vater und Großvater. Aber als ich ein Kind war, prophezeite mir ein Medizinmann, meine Musik würde über die ganze Welt gehen.

Stefan Teplan: Und das erfüllt sich jetzt?

Jerry Alfred: Sieht so aus. Für meine CD habe ich zusammen mit der Rocksängerin Alanis Morissette die höchste Musikauszeichnung Kanadas, den Juno Award, erhalten. Ich gehe im nächsten Jahr auf Tournee, komme auch nach Australien und Deutschland. Und die UNO übernahm mein Lied „Generation Hand Down“ als Hymne zu ihrem 50jährigen Jubiläum.

Stefan Teplan: Aber Sie leben trotzdem mehr in der Wildnis als in Tonstudios und Hotles.

Jerry Alfred: Die meiste Zeit verbringe ich in der Natur, fange Lachse, jage, lebe mit meiner Familie in einem Gebiet, das kein Reservat, sondern seit zehntausend Jahren nur Indianerland ist.

Stefan Teplan: Haben Sie deswegen auch ein lukratives Angebot der EMI ausgeschlagen?

Jerry Alfred: Genau. Die EMI (eine der größten Plattenfirmen der Welt – Anm. d. Red.) hätte mich total vermarktet und wollte, dass ich in die Stadt – nach Vancouver – ziehe. Bei „Sattva Music“ bleibt meine Musik ursprünglich.

Stefan Teplan: Die Bewahrung der Tradition ist Ihnen also wichtiger als viel Geld?

Jerry Alfred: Unsere Tradition am Leben zu erhalten ist meine Aufgabe von Kindheit an. Nur deswegen mache ich Musik.

Stefan Teplan: Wie, glauben Sie, kann indianische Kultur in diesem Zeitalter überleben?

Jerry Alfred: Nur durch Weitergeben der Geschichten und Lieder von den Älteren an die Jüngeren. Und durch Erhalt des Wissens, dass wir immer eins mit der Natur sind.

Jerry Alfred and Stefan Teplan during their interview. © Stefan Teplan

© Stefan Teplan Media