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Simone Thomalla alias Kinderärztin Leah

Stefan Teplan sprach mit der Schauspielerin Simone Thomalla über ihre neue Rolle als TV-Ärztin Leah in der ARD-Reihe „Ärzte“

(Erstveröffentlichung im Magazin WELTBILD Nr. 23/1997)

Stefan Teplan: Sie spielen jetzt als TV-Ärztin in einem Genre, das gewöhnlich von Klischees trieft.

Simone Thomalla: Als mir die Rolle angeboten wurde, habe ich auch die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen und gesagt: Oh nein, bloß keine Arzt-Reihe. Aber dann erinnerte ich mich bei dieser ARD-„Ärzte“-Serie an eine Reihe von Filmen zum Beispiel mit Senta Berger und Friedrich von Thun , die auf sehr hohem Niveau stehen. Daraufhin ließ ich mir doch mal das Drehbuch zuschicken. Und mich hat bei dem Stoff überzeugt, dass eben keine Klischees darin vorkommen und die Ärzte nicht als Götter in Weiß dargestellt werden wie in so vielen schlechten Filmen. Dann wusste ich, dass ein sehr guter Regisseur drehen wird und dass der Südwestfunk seine Projekte sehr sorgfältig betreut. Daher habe ich schließlich zugesagt.

Stefan Teplan: Was macht Arzt-Serien trotz oder wegen der Klischees so populär?

Simone Thomalla: Mit Krankheit und Krankenhaus wurde wohl jeder Mensch schon konfrontiert. Und es tauchen darin auch immer wieder Probleme auf, sie die Menschen bewegen und die zu ihrem Alltag gehören. Arzt-Serien sind sicher deswegen so beliebt, weil die Zuschauer die Ereignisse aus eigener Erfahrung nachvollziehen können, Situationen etwa wie Angst um jemanden anderen zu haben. Bei einem Krimi ist das nicht so, da schaut man halt einfach nur, was passiert.

Stefan Teplan: Was ist an Ihrer Rolle anders als an den Kitschrollen?

Simone Thomalla: Wir haben während der ganzen Dreharbeiten immer einen erfahrenen Arzt als Berater an unserer Seite gehabt. Es wurde wirklich nicht ein Handgriff getan, den dieser Arzt nicht gutgeheißen hätte. Es ist also schon einmal sichergestellt, dass im Film alles korrekt und realistisch dargestellt ist.

Stefan Teplan: Als TV-Ärztin Leah haben Sie mit Sterbehilfe und dem Sektenmilieu zu tun. Wie haben Sie selbst sich mit dieser Problematik auseinandergesetzt?

Simone Thomalla: Was Sterbehilfe betrifft, muss man sicher von Fall zu Fall abwägen. Aber wenn jemand wirklich nur noch an Maschinen hängt und nichts Lebenswürdiges mehr für den Einzelnen da ist, sollte man, denke ich, schon helfen. Zu den Sekten: Solange es noch so einen Schwachsinn gibt, der viele Menschen fesselt – und das sind ja nicht immer nur dumme Menschen, die diesen Sekten zum Opfer fallen -, kann und sollte man viel mehr darüber aufklären.

Stefan Teplan: Sie sagten vor Jahren einmal, Sie wollen kein „Serien-Hasi“ – nur eine Frau als Begleiterin von Männern – werden. Haben Sie jetzt die Rollen, von denen Sie träumten?

Simone Thomalla: Das mit dem Serien-Hasi ist mir gelungen. Das hat sicher auch mit dem Alter zu tun. Vor ein paar Jahren war ich halt nur das Salatblatt, sozusagen als Garnierung. Wünsche nach guten Drehbüchern habe ich natürlich offen. Ich würde gerne etwas spielen, was nicht meinem Naturell entspricht. Vielleicht hat jemand mal den Mut, der mich immer nur sympathisch, positiv und kraftvoll gesehen hat, mir zum Beispiel etwas Zwiespältiges oder Dekadentes anzubieten. Ich würde gerne auch einmal eine Frau spielen, die schwach ist, nicht immer nur Power an den Tag legt. Und die aus der Schwäche heraus etwas schafft.

© Stefan Teplan

Abraham Superstar

 

Stefan Teplan über die „Filmbibel“ von Leo Kirch und Ettore Bernabei:

Das Alte Testament ganz neu. Als gigantisches Fernseh-Epos kommt die Heilige Schrift ins Bild. Auftakt der Millionenschöpfung: die Geschichte von „Abraham“

(Erstveröffentlichung als Titelgeschichte des Magazins WELTBILD Nr. 26, 1994)

 

Am Anfang waren zwei Medienriesen. Mit einer Idee: das Buch der Bücher sollte zum Film der Filme werden. Zwei Männer und das Wort: Leo Kirch – deutscher Film- und Fernseh-Tycoon – und Ettore Bernabei – Filmproduzent und Ex-Generaldirektor des italienischen Fernsehens RAI – taten sich zusammen, um die Heilige Schrift in laufende Bilder zu übersetzen. Aus Bernabeis Filmfirma „Lux“ und Kirchs „BetaFilm“ wurde „LUBE“ – einzig dazu geründet, um (erstmals in der Filmgeschichte) das gesamte Alte Testament von Adam bis Zephanja auf Zelluloid zu bannen. Anspruchsvoller und authentischer als dies je zuvor geschehen war. Und trotzdem unterhaltsam.

Biblische Gestalten als Fernseh-Helden. David Serien- und Adam Einschaltkönig. Abraham Superstar. So etwas braucht viel Geld. Das haben Kirch und Bernabei. So etwas braucht viel Zeit. Die nahmen sie sich. Nach fast 15 (!) Jahren Arbeit ist nun endlich der erste Teil der Filmbibel fertiggestellt, in die 200 Millionen Mark investiert werden. Die TV-Fassung des Buchs Genesis soll nun, aufgeteilt in sechs 45-Minuten-Happen, über die Bildschirme flimmern.

„Die Studien für das Drehbuch glichen einem Bibelseminar“

Den Auftakt des Fernseh-Bibelkurses in 30 Stunden bildet die Geschichte Abrahams. Österreich, Italien, Spanien, Frankreich, Holland und dien USA strahlten sie bereits aus. Das deutsche Fernsehen hinkt hinterher. Grund: LUBE konnte hierzulande noch mit keinem Sender handelseinig werden. Nach derzeitigem Verhandlungsstand deutet alles darauf hin, dass die ARD das ganze Bibelpaket (geplant sind 21 Folgen) abnehmen und „Abraham“ voraussichtlich zu Ostern 1995 senden wird.

Von der Idee bis zur Umsetzung nimmt das BibelEpos allmählich selbst biblische Dimensionen an. Allein ein Blick auf die Produktion von „Abraham“ zeigt warum. Da man größten Wert auf en spirituellen Aspekt legt, haben Theologen das erste Wort. Ein internationales Team aus katholischen, evangelischen und jüdischen Bibelexperten erarbeitete Vorlagen für die Drehbuchautoren. Dann, so der beteiligte Max Küchler, Theologieprofessor im schweizerischen Fribourg, wurden „Generationen von Drehbuchautoren durchgetestet. Das hat natürlich sine Zweit gebraucht.“ Der US-Autor Bill Durham berichtet: „Die Studien für das Drehbuch glichen einem Seminar für Bibelforschung.“

Beim Drehen selbst wirkte der Ex-Jesuit Heinrich Krauss, den Leo Kirch von Anfang an mit dem Projekt betraute, als Berater mit. Krauss‘ Job: sicherzustellen, dass das Buch der Bücher immer noch wichtiger ist als das Drehbuch.

Abraham-Darsteller Richard Harris etwa hat sich, wie Kirchs Pressebetreuerin Michaela Niemeyer erzählt, mit Krauss‘ Hilfe „theologisch sehr mit seiner Rolle auseinandergesetzt, führte abends mit ihm lange Gespräche und diskutierte mit ihm, warum dies nun so oder so ist.“ Krauss ergänzt: „Harris lebte den Abraham Tag und Nacht.“ Gedreht wurde ausnahmslos in Marokko. „Weil“, so Krauss, „wir dort eher eine biblische Landschaft haben als in Israel.“

„Der ungewöhnlichste Segen, den je ein Papst erteilte: Toi toi toi“

„Ein herrlicher Monumentalfilm“ („Il Messagero“), „eines der gewaltigsten Fernseh-Projekte“ („Hollywood-Reporter Los Angeles“) – „Abraham“ stieß bei den Kritiken im Ausland überwiegend auf helle Begeisterung. Und Papst Johannes Paul II., der im Dezember 1993 die Produzenten zu einer Audienz empfing, rühmte den „vielversprechenden Anfang dank der von Ihnen in Anspruch genommenen Beratung.“

Der österreichische Programm-Intendant Wolfgang Marboe war es, der – vor der ORF-Ausstrahlung von „Abraham“ – im Vatikan die für den Anlass fast respektlos-saloppe Bitte äußerte: „Heiliger Vater, wünschen Sie uns doch für dieses Projekt toi toi toi.“ Johannes Paul II. reagierte prompt und erteilte der Millionen-Schöpfung den wohl ungewöhnlichsten Segen, den je ein Papst gespendet hat: „Toi toi toi“.

© Stefan Teplan Media